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LUEGSCH!? groovige Volksmusik
Start einer neuen Volksmusik-Konzertreihe im Chäslager
„LUEGSCH?!“ ist groovige Volksmusik Wenn man den LUEGSCH-Texter und Gitarristen Geri Miller fragt, wie denn diese Formation entstanden sei, erhält man Folgendes zur Antwort: „Aus unerträglicher Langeweile und aus Liebe zur fatalen Zukunftsdeutung, gründete sich diese Formation, sehr zur Überraschung seiner Mitglieder, über Nacht von selbst. Als man sich aus bierdünstiger Übernächtigkeit des vergangenen Abends zufällig wieder traf, musste man mit Bestürzung zur Kenntnis nehmen, dass man jetzt eine Band war und „flugs“ machte man sich daran, ein paar Instrumente zu erlernen um zumindest ein wenig darauf herumzualbern, auf dass der Zuhörer nicht merke, dass man gar nicht richtig musizierte. Dies schien dem Publikum schön zu tun und so gaben sie denn Papiergeld in ein Hütchen und den Musikanten einen Namen.!!“
Schnell wird klar, dass es bei diesen vier Musikern nicht einfach sein wird, die ganze Sache auf einen Punkt zu bringen. Es ist schwierig sie einzuordnen und das ist ihnen ganz recht so. Wenn Geri Miller, der gebürtige Österreicher und frühere Funk-, Rock- und Pop-Musiker dann noch besonders hervorhebt: „Keiner ist normal - und darauf sind wir stolz!“, dann erkennt man, dass der tierische Ernst wohl nicht ihre Sache ist.
Die Grundlage ihrer Musik ist aber eindeutig die Volksmusik. „Aufbauend auf dem Respekt und der Anerkennung von zeitgenössischen Schweizer Volksmusik-Komponisten wie Walter Grob, Markus Flückiger, Fritz Dünner und anderen versuchen wir eigene Wege in Darbietung und Interpretation des Repertoires zu gehen“, bringt es Geri Miller auf den Punkt. Angefangen hat die „LUEGSCH?!-Story“ vor etwa anderthalb Jahren. Mehrmals haben Geri Miller, Rolf und Kurt Willauer den „Hausmusiker“ Martin Nauer begleitet. Weil dieser aber hauptsächlich bei der Kapelle von Carlo Brunner aktiv und deshalb nicht immer abkömmlich war, haben die drei nach einer Alternative gesucht, bis eines Abends ein Gast kam und ironisch meinte: „Du Rolf, ich kenne einen, der besser ist als du.“ Er meinte damit den Schwyzerörgeler Marcel Oetiker, der nun immer öfter in der „Krone“ beim Musizieren anzutreffen war.
Marcel Oetiker ist ein Ausnahme-Könner auf der diatonischen Orgel und findet sich auch mit dem Klavier sehr gut zurecht. Eigenkompositionen mit Einflüssen aus den verschiedensten Musikstilrichtungen, aber auch anspruchsvolle Werke anerkannter Meister holt er mit viel Gefühl aus dem kleinen diatonischen Instrument. Vier Finger auf der Melodie- und vier auf der Bassseite finden jede Tonkombination, die sich zuerst im Geist formt. „Groovige Volksmusik“, nennt es Marcel Oetiker. Auch mit Tradition hat er keine Mühe. „Wir wollen ja nicht die Asche hüten, sondern das Feuer der Tradition weitergeben“, sagt er philosophisch. „LUEGSCH!? ist eine Musikidee“, sagt Rolf Willauer, „Marcel Oetiker bringt das Repertoire, und was er spielt, begleiten wir.“ In ihren Konzerten bekommt man allerdings nicht nur hochklassige Musik, à la nouvelle cuisine, serviert, sondern man wird oft auch zu Lachen gebracht.
Jeder der vier Musiker kommt aus verschiedenen Stilrichtungen und bringt seine eigenen Erfahrungen und Einflüsse in die „LUEGSCH!?“-Partie ein. Ihnen gefällt auch das „Switchen“, der Wechsel von einem Instrument zum anderen. Zwischen 20 und 30 sind es, die eingesetzt werden könnten. Unter dem Titel „auf.takt“ haben die vier Musiker im Frühling 04 bereits eine viel beachtete CD auf den Markt gebracht.
Volksmusik gehört auch auf die Kleinkunst-Bühne!
Schon öfter hörte man in letzter Zeit von jungen VolksmusikantInnen, die ein bisschen resigniert dieser Musiksparte den Rücken zuwenden wollen. Sie stellen fest, dass ihr musikalisches Engagement öfter nicht die erwartete Resonanz findet. Das meist ältere Publikum bewundert zwar ihre technischen Fertigkeiten und staunt, wie da schon im jugendlichen Alter problemlos schwierigste Ländlerkompositionen gemeistert werden.
Solange sie bei solchen Altmeister-Kompositionen bleiben, ist ihnen ein gewisser Erfolg auch garantiert, obwohl das ganz traditionelle Volksmusikpublikum halt doch am liebsten die immer wieder gleichen Gassenhauer hören möchte. Viele JungmusikantInnen arrangieren sich und spielen halt das, was die Leute hören wollen. Dagegen spricht ja auch nichts; Musizieren ist auch eine Dienstleistung.
Volksmusik ist aber auch eine besonders eindrückliche und wichtige Ausdrucksweise eines Volkes. Da setzt die eigene Lebensgeschichte die Harmonien, das Temperament legt die Taktart fest und das Gemüt bestimmt die Melodie. Es gibt Menschen, die ihr ganzes Sein in eine musikalische Sprache umsetzen können. Es entsteht dabei Musik, die Geschichten aus dem Leben erzählt, mit allen Freuden, Hoffnungen, Ängsten und Leiden, die uns täglich halt begleiten. Es ist nicht immer einfach, sie zu verstehen, denn es gibt keinen festgelegten „musikalischen Wortschatz“, der für alle sofort verständlich wäre. Es werden neue „Dialekte“ geschaffen, an die man sich zuerst gewöhnen muss.
Nur wenige Volksmusik-Formationen lassen sich leider auf einen solchen musikalischen Dialog ein. Stücke dieser Art lassen sich nicht aus dem Ärmel schütteln; da ist Herzblut und auch eine gewisse Reife gefordert. Technische Kabinettstückchen reichen da nicht aus und schnelle à-la-minute-Arrangements verfehlen mit Bestimmtheit die Wirkung.
Leider ist auch nur ein ganz kleiner Teil des traditionellen Volksmusik-Publikums bereit, sich auf solche neuen „Geschichten“ einzulassen. Musik ist Geschmacksache und es ist wohl wenig sinnvoll und auch kaum möglich, das Publikum zu „erziehen“. Nein – es gilt für diese neue Volksmusik ein neues Publikum zu finden. Die Kleinkunst-Szene ist dafür geradezu prädestiniert. Darin bewegen sich Leute, die sich für ein breites kulturelles Spektrum interessieren. Sie kennen keine Berührungsängste und sind für Neues immer offen. Und gerade jetzt stelle ich wieder ein vermehrtes Interesse für Volkskultur fest.
Im „Chäslager“ Stans, eine Nidwaldner Kleinkunst-Bühne, beginnt deshalb im nächsten Jahr eine neue Konzertreihe mit vier Volksmusikkonzerten. Junge und etablierte Formationen sollen dort eine Plattform erhalten, wo sie ihre „neuen Geschichten“ in ihrem „eigenen Dialekt“ erzählen können. Wir freuen uns darauf und hoffen, dass ein möglichst grosses Publikum bewirkt, dass Aufwand und Ertrag wieder ins Gleichgewicht kommen. Die ersten zwei Konzerte finden am 19. Februar (Marcel Oetiker mit LUEGSCH) und am 14. Mai 05 (Team Siidhang, Alpnach) statt. Alois Gabriel
Samstag, 19. Februar 2005 20:30 Uhr
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